BesprechungenZuElfenartVeröffentlichungen


Krautbomber LP/CD

...Underdog Fanzine...

Wurden die deutschen Nazibomberflugzeuge von den Alliierten "Krautbomber" genannt? Ich weiß es nicht. Die musikalische Version hat auf jeden Fall genügend Ballast an Bord, der auf die Zivilisation einbricht, wie die neuerdings alljährlich statt findenden Naturkatastrophen ("Ich schenk sie dir, mit Herz von mir(...)meine Bombe für dich"). Denn auch diese kommen gewaltig aber auch vorhersehbar, aber nicht aufhaltbar. So prasseln die Textzeilen wie Hagelkörner ins ZNS, verteilen sich über die Synapsen und verbreiten diese "geballte Faust"-Stimmung. Die KRAUTBOMBER geben dir einen Arschtritt ob deiner selbst gewählten Lethargie (Tapetenwechsel oder Stillstand), prangern den deutschen Sicherheitsstufenplan an und keifen gegen Fußball, Sex und peinlich sein. Das alles in einer Haudrauf- und Hauruckmethode, schnell hektisch, hypnotisch, kurz und prägnant, dass ich kaum hinterherkomme oder mich ausruhen kann. KRAUTBOMBER sind ein Stolperstein für die zu netten Ja-SagerInnen, sind Unruhestifter und reißen die aufgesetzten Fassaden ein. So werden Fronten geschaffen, an denen du zeigen kannst, für was, wen du dich entscheidest. Die KRAUTBOMBER sind sich da ziemlich sicher!

...Matula Records...

Neue Band um den Nein Nein Nein Sänger mit rockigem deutschsprachigen Punkrock à la Blumen Am Arsch der Hölle oder Oiro, dreckig und rockig, schlau und fies! Nicht so glatt wie die Nein Nein Neins, schön rumplig und rotzig, und die Vocals klingen schon schwer nach Cacke Oiro, die Texte können auch einiges. Geiles Brett!

Desarme - Es tu Error

...Twisted Chords...

Eine Co-Produktion von fast 20 DIY-Labels aus aller Welt mit einer Band das Peru, das gibt es auch nicht alle Tage… Desarme spielen superfetten Hardcore-Punk, gesungen in der Landessprache und absolut typisch für südamerikanische Verhältnisse. Das hier ist einfach echt, authentisch und entsprechend wütend dahingerotzt. Völliges Gebretter, das aber immer genügend Platz für Melodien lässt, wüst, derbe und wütend zugleich - für Freunde dieses Genres unumgänglich!


Mururoa Attäck - Benzin macht frei 10"

...Plastic Bomb...

Diese Steigerung hätte ich ihnen ehrlich gesagt nicht zugetraut. MURUROA ATTÄCK spielen schnellen, aggressiven HC/Punk mit kritischen, politischen Texten im Stil von RAWSIDE. Das ist teilweise ein echt geiles Geknüppel, gelegentlich von einem weiblichem Chor unterstützt. Erstaunlich wie die Band es schafft trotz des Highspeed-Geballers eine Trompete einzubauen ! 10 Songs in exzellenter, druckvoller Soundquali. Ganz nebenbei sind die Texte mal wieder typisch zynisch u. kacken sich gegen alles u. jeden aus... AMEN 81 lassen grüssen.

...Twisted Chords...

Mururoa Attäck habe ich von ganz früher noch als mittelmäßige Deutschpunk-Band in Erinnerung gehabt und dementsprechend desinteressiert gingen ihre letzten Veröffentlichungen an mir vorbei. Nun liegt diese 10inch vor mir und ich bin platt. Die Band hat sich über die Jahre wirklich unglaublich gesteigert, vom Stumpf-Deutschpunk der Anfangstage ist man hin zu Highspeed-Hardcore-Punk-Geballer vom Feinsten. Textlich immer noch in deutsch, aber viel weniger platt, sondern eher zynisch und gegen alles und jeden gerichtet. Da drängen sich die frühen Amen 81 als Vergleich geradezu auf und das passt auch wie die Faust auf`s Auge. Hammerschnell und sicher mit Abstand das Beste, was die Band bislang aufgenommen hat. Kompliment! Und jetzt kaufen...


Aggra Makabra/Dadoes Split EP

...Twisted Chords...

Aggra Makabra hatten bereits vor einiger Zeit aufhorchen lassen, als sie eine fantastische Split-LP auf Alerta Antifascista veröffentlichten. Nun also das zweite Stück Vinyl der Bremer, dieses mal zusammen mit den Kollegen von Do Androids… (wer denkt sich solche Namen aus?) aus Luxemburg. Aggra Makabra spielen großartigen deutschsprachigen Punkrock, der etwas an Dackelblut oder auch an die Österreich von Knallkopf erinnert. Wer weitere Hausnummer braucht, denke sich frühe Muff Potter oder Turbostaat... In jedem Falle sehr eigenständig und durchdacht und trotzdem – oder genau deswegen? – hitkompatibel. Die Flipside mit den Do Androids… (übrigens ex-Petrograd) bietet dann fetten Hardcore mit englischen Texten, der richtig gut reinknallt und straight losgeht. Sehr schöne Sache. Zwei tolle Bands, die unterschiedlich sind und gerade deswegen so wunderbar zusammenpassen, kommt mit wunderschönem kreativen Artwork und in weissem Vinyl!

...Plastic Bomb...

Wer Bands wie TURBOSTAAT und frühe MUFF POTTER mag, sollte beim Namen AGGRA MAKABRA hellhörig werden. Denn die Band aus dem deutschen Norden spielt ebenfalls flotten, emotionalen Punk mit deutschen Texten. Die klischeelosen Texte handeln von Bedürfnissen der Menschen, die durch Lügen kontrolliert werden. Und dem nachgehen einer gereglten, stumpfen Arbeit wird klar eine Absage erteilt. Auf der anderen Seite findet man eine Band mit dem ebenso langen wie seltsamen Namen DO ANDROIDS DREAM OF ELECTRIC SHEEP? auf Luxemburg, die unter anderem aus PETROGRAD hervorgegangen ist.Musikalisch geht es in die selbe Richtung, nur noch etwas härter und mit teilweise etwas gefühlsduseligen Lyrics. Die Aufmachung ist sehr aussergewöhnlich. Auf die durchsichtige Plastikhülle wurde in Schwarz die Bandnamen und ein recht gross gezeichnetes Gesicht gedruckt. Schiebt man nun die Single in weissem Vinyl in die Hülle, so wird das Gesicht sozusagen mit (weisser) Farbe gefüllt. Sehr gute Idee, sehr gute Umsetzung! Auch wie man das Textblatt clever gefaltet und eingebaut hat. Respekt.

...Greed Records...

HARDCORE-PUNK. Die Bremer legen auf diesem sehr schoenen Release mit dem sozialkritischen ''Seifenblasen'' los. Die melodioese Gitarre und der rockige Mittelpart verleihen dem Song, trotz aller Haerte, einen gewissen Emo-Touch. Den hat auch das noch melodischere ''Jetzt'', das wie eine raue Ausgabe von alten MUFF POTTER oder deutschsprachigen HOT WATER MUSIC klingt. Beide Texte kommen mit kurzer Erklaerung. Danach die Luxemburger DADOES? mit dem englischsprachigen ''Touche coule'', das zwar etwas Screamo-maessig beginnt, dann aber ebenfalls aus Gainesville kommen koennte und dem flotten ''Epilogue of the nameless'', das trotz aller Wut auch Platz fuer einen ruhigen Part laesst. Auch hier treffen melodische Gitarren auf einen wuetenden Saenger. Sehr schoen aufgemacht steckt die komplett weisse Single in einer bedruckten und gefalteten Klarsichtfolie.


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DUC - Durch die Nacht

...SKP Records...

DUC kommen quasi irgendwo aus Deutschland (tippe mal wegen dem Song "6 Uhr vor Kohle) auf dem Ruhrpott (irren ist männlich!) und bieten uns hier 10 Songs (37 Minuten) depressiven Punk-Rock mit deutschen Texten. Wurd dir der Mietvertrag gekündigt? Kommst du aus na Kleinstadt und fragst dich, was das für´n kleine verschissenes Nest ist? Dann hast du bestimmt ne´n guten Draht zu den Texten von DUC. Hier findet man wenig positive Perspektiven, hier wird sich noch richtig im eigenem Elend gesuhlt. Allerdings mit genügend musikalischer Aggresivität im Bauch. Musik mit guten alltäglichen Texten, die wohl für viele nachvollziehbar sind. Punk-Rock zum tanzen, gleichzeitig aber auch zum nachdenken. Besten dank an Elfenart Records für diese schöne Scheibe!

...Der gestreckte Mittelfinger # 3...

"Die gibts noch?" war mein erster Gedanke, als ich den Briefumschlag öffnete und die CD herausholte. DUC sind eine klasse Band, die mich jetzt schon seit etlichen Jahren begleitet, und mit, "Durst ist schlimmer als Heimweh" haben sie einen meiner absoluten Tophits geschrieben. Sie werden oft mit, EA80, Muff Potter, Dackelblut etc verglichen. Also mit Bands, die intelligente deutsche Texte haben und grob gesagt, melancholischen bis düsteren Punkrock spielen. Dies trifft auch auf DUC zu. Die Texte sind intelligent, persönlich und nicht stumpf. Die Musik verbreitet eine angenehme melancholische Stimmung. Allerdings sind und waren DUC nie ein Abklatsch der oben genannten Bands, sondern immer eine Band die es schaffte einen eigenständigen Sound zu kreieren. So auch auf dieser CD. Mir gefällt das ausgesprochen gut. Immer kann ich mir die CD zwar nicht anhören, aber jetzt, im regnerischen Herbst, wird die CD garantiert öfter in meinen CD-Player wandern.

...OX-Fanzine...

"Ja da kommt Freude auf, Ich will raus" Mann Jungs...ich kenn das ja. Ich unterstelle eigentlich nie Absicht, wenn mir sowas auffällt. Aber kam Euch der Opener nicht selbst bekannt vor beim ersten hören? Ich habe spontan meinen Lieblingssong von der ersten MUFF POTTER LP drauf gesungen.Juuungs! Echt hart. Und so unromantisch es klingt: einen 1A Klon der oben genannten haben wir hier. Richtig gut, da gibbet nix. Sogar die 2stimmigen Parts, genau so. Die ist echt gut, wenn man die letzten Jahre noch nix mit deutschem Punkrock am Hut hatte.Aber wenn doch, was dann?? Dann fragt man sich, ob man anno 2004 nicht eigentlich wieder eine neue MUFF POTTER-Platte braucht, die wütend und ehrlich ist. Und die Antwort auf diese Frage, lässt einen folgendes tun: Potter, Muff aus dem Telepunkbuch radieren und vor die gleiche Nummer DUC schreiben. Auch wenn die Texte von Nagel, dem selbstgerechten, arroganten Stück, einfach einen Tacken besser sind. Sorry, muss heissen: selbstgerechtes und arrogantes UND beschissenes Stück deutsche Punkrockgenialität. Verdammt.

...Twisted-Chords Mailorder...

Tja, mit DUC ist das so eine Sache…. Die Band gibt es schon ewig, wir hatten vor Jahren in der Anfangsphase von Twisted Chords mal einige Songs von ihnen auf einer Compilation veröffentlicht, kurz danach kam die grandiose Debut-LP auf Bad Taste Records und eigentlich sah alles danach aus, als würden sich DUC nahtlos in die Reihe großer Bandnamen wie EA 80, Boxhamsters und Kollegen einreihen. Warum das nie so richtig geklappt und die Band bis heute mehr ein Insidertipp als der große Renner ist, bleibt für mich schleierhaft…. Jedenfalls liegt nach Jahren mit „Durch die Nacht“ das zweite Album der Gelsenkirchener vor, veröffentlicht auf dem netten kleinen „Elfenart“-Label und das kann einfach alles. Als Vergleich würde ich immer noch zu EA 80 greifen, eine ähnlich düstere und kompakte Atmosphäre können DUC transportieren. Dazu kommen geniale, kopflastige deutsche Texte, deren Sinn sich manchmal erst nach mehrmaligem Lesen/Hören ergibt und die die Platte auch nach mehrmaligen Hören noch interessant und spannend halten. 37 Minuten, 10 Songs, kein Ausfall, ich bin Fan und werde es bleiben…. Wenn die damit nicht endlich die Anerkennung bekommen, die ihnen längst zusteht, verstehe ich die Welt nicht mehr... Zugreifen!

...Besprechung vom Underdog-Fanzine...

Auf Lampenschirmen, Waschmitteldosen haben DUC anfangs getrommelt, übers Plastikmikro geträllert, bis sie als Duo in Tanzkapellenmanier die Republik und Hochzeitsveranstaltungen unsicher machten. Jetzt feiern DUC bald ihre Silberhochzeit und widmen sich ihrem Gelsenkirchener Barock. Stilvoll und erwachsen wie die Vorstadtkrododile heute wären. "auf der Suche nach dem Kick, der mich hier raushaut aus diesem unbezahlten Leben, aus diesem Sturzflug ohne Aufprall(...)", aus "VERZÄHLT". DUC brauchen keine rebellischen Slogans, sondern vermitteln unkompizierte Alltagsgeschichten der komplizierten Welt und halten ihre Gitarre schützend vor den Randgruppen der Gesellschaft, verpacken den Inhalt in Klischeefreien Punkrock, der ganz ohne Nebenwirkungen knallt wie die Arbeiterfaust eines stillgelegten Kohlewerks.

...Flight13 Mailorder...

Das neue Album der Ruhrpottler! Mehr als 14 Jahre sind sie am Start, jetzt der zweite Fullplayer des Trios, vielleicht deshalb auch so schön kompakt und versiert. 10 melodische Punkrocksongs mit gelungenen dt. Texten, zeitlos gut!

Rezension vom Moloko-Plus Fanzine

Und noch nen Hamma in Sachen Deutsch. DUC aus Gelsenkiiieeerchen gibt´s auch schon ne ganze Ewigkeit und liefern hier für mich eine der TOP5 Platten dieses Jahres ab. Toms Stimme fand ich schon immer sehr geil, jetzt haben die Jungs auch endlich nen vernünftigen Drummer an Bord und vor allem einen anständigen Gitarrensound. Zehn Songs, keine Ausfälle, einzig die teilweise überlangen Intros einzelner Stücke stören ein ganz klein wenig. „Panzerwels“, „Stadtrandstatisten“ und vor allem „6 vor Kohle“ sind Granaten für die Ewigkeit. Stellenweise erinnert man sich noch an EA80, ist mit der Scheibe aber mal eben locker aus deren Schatten gehüpft. Bleibt zu hoffen dass das Trio in der Besetzung bestehen bleibt. Onkelchen 9P


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Braying Boredom - Aufziehvogel

...Major Label Mailorder...

Die neuen 11 Songs der Magdeburger bewegen sich auf den bekannten Pfaden der Boxhamsters oder der von EA 80. Auch ein Hauch Hamburger Schule und eine Prise Muff Potter ist zu spüren. Textlich kommt man ohne die gängigen Klischées aus * UTH/ Elfenart Records

...SKP Records...

Braying Boredom aus der Nähe von Magdeburg spielen hier langsamen Punk-Rock, der leicht in die EA80 Richtung tendiert. Somit als dem depressiven Gefühlen und den Moll-Tönen nicht ganz abgeneigt werden hier 11 Songs in 37 Minuten geboten. Gesungen wird (bis auf ein Song) auf deutsch, so daß man (so als deutsch-versteher) noch viel mehr mitleiden kann, wenn die Band uns ihre traurigen Geschichten auftischt. Musikalisch sehr schöne Stücke und auch der Gesang könnte hier nicht besser hineinpassen. Gelungene Mischung aus etwas flotteren und normal flotten Nummer, die textlich zum Nachdenken und zu Depressionen einladen. Eher traurige aber wunderschöne Platte, der man von Song 1 bis Song 11 super folgen kann. Besten Dank an Elfenart Records und auch Braying Boredom für dieses schön traurige Stück Musik!

Rezension vom Underdog Fanzine

EA80 und Boxhamsters sind die geistigen Väter der lyrischen, musikalischen Ergüssen dieser Kapelle aus dem Großraum Magdeburg. Emotionaler Punk , mit deutschen Texten aus der Schule der phrasenfreien Dichtkunst. Subtil, zynisch, persönlich und irgendwie trübselig: "Wieder bin ich versunken, in Gedanken die mich quälen. Erneut ne Zigarette ausgedrückt, kann mich nicht mehr verstehen" (Vorbei). "Trübsal wurde genug aus den Trompeten geblasen, so werden wir weiterziehen, so schnell wie die Hasen. Die Augen wachsam, alle Richtungen abgesteckt. So werden wir gehen und schwören weiterhin aufs Leben" (Don Quichotte). Musik für den Sonntagnachmittag beim "Apfelstrudeltee" und einer Knoppersmahlzeit um halb Zehn, selbst wenn Werbung nur geklaute Zeit ist. Wer früh schlafen geht, verpasst das Leben. Musik für den Moment der bleibt...augenzwinkernde Zitatenspielerei.
BRAYING BOREDOM laufen in großen Schuhen, getragen von herausgewachsenden jung gebliebenen Punkrockern, durch die Welt.

Rezension von Micha im Plastic Bomb

Zum ersten Mal bin ich auf BRAYING BOREDOM durch Ihre Split-Scheibe mit EINLEBEN aufmerksam geworden. Es geht musikalisch auch etwas in diese Richtung. Hier ein wenig VERBRANNTE ERDE, da etwas DUC und BOXHAMSTERS oder EINLEBEN. Melancholisch, melodisch und irgendwie sehr zerbrechlich wirkend. Allerdings mit einem seltsamen Hippi-Touch, der irgendwie durch den Gesangsstil des Sängers und diese Blumenkinder-Gitarre Einzug hält. "Aufziehvogel" ist durchaus eine Platte mit Tiefgang, die auch Zwischentönen und gerade den ruhigeren Momenten viel Platz bietet. Klingt mir aber eine Spur zu sentimental.

Rezension von Niko (Tape-Records)

Die neue der Magdeburger... weiter auf bekannten Pfaden, also schrammelige Boxhamsters oder poppige EA80, ein Hauch Hamburger Schule und eine Prise Muff Potter. Textlich ohne die gängigen Klischées, schöne Aufmachung. 11 Songs/ 37 min. Spielzeit, hidden Track in norddt. Dialekt(?) * UTH/ Elfenart Records

Rezension und so weiter von Gerald von www.gebrauchtemusik.de

20. März 2004, nachmittags Liebes Tagebuch, vor einem Jahr hat der Krieg angefangen, und die Leute sind zu Tausenden auf die Straße gegangen, weil sie mit ihrem Leithammel zusammen mal wieder gegen die Amerikaner sein wollten, gegen die zu sein ihnen sowieso immer gut tut, weil man gegen die selber schon mal einen Krieg verloren hat. Heute sind 50 Leute auf die Straße gegangen, und haben jedem, der es hören wollte, erzählt, dass ihr Leithammel die Amerikaner sehr wohl unterstützt hat mit der Freigabe seiner Militärbasen und der Bewachung ihrer Kasernen. Aber keiner wollte es hören, weil die Leute zwar jetzt auch gegen ihren Leithammel sind, aber sich das gute Gefühl des "Wir Deutschen sind besser, und sowieso besser als die Amerikaner" nicht ausreden lassen wollen. Keiner wollte es hören, und der Wind hat den 50 Leuten ihre Worte vom Mund gerissen und die Bassbox umgeworfen. Ich habe mich beim im Wind Stehen erkältet, habe Matsch im Kopf und kann mich nicht entscheiden, ob ich das graue Wochenende einfach verschlafen soll, bis wieder der Montag kommt - der alle Fragen nach Krieg und Frieden, Verstehenwollen und Handelnmüssen in der einen Antwort auflöst: Geld oder Leben - oder ob ich mich mit Kaffee wachhalten soll, um den grauen Himmel anzuschauen. Das Geräusch des brodelnden Wassers im Wasserkocher führt die Entscheidung herbei. Beim Herunterdrücken des Kaffeesatzes schwappt mir heißer Kaffeesatz auf die Hand, ich fluche, bin aber doch froh, dass ich wieder was spüre.

"das leben wird roh gegessen nur der kaffee ist viel zu heiß wie lange soll das so weitergehen alles dreht sich im kreis"

Genau das ist der Fall, und genau das frage ich mich auch, aber dass es jemand so schön auf den Punkt bringt, noch dazu in eine Musik gekleidet, die Punkrock-Energie mit Trauer auf eine Art verbindet, die im Aufbau der Texte und Riffs oft an die Emo-Punk-Heroen ... But Alive erinnert, ganz oft aber durch ihre Gitarrenlinien den Aeronauten-Soul atmet, das macht Mut und ist ja allein schon ein Grund, sich gegen diese Kreisbewegung zu stemmen. Auch wenn das großartige Album "Aufziehvogel" der Magdeburger Band "Braying Boredom" nicht mehr Leute hören wollen als die Wahrheit über den Irakkrieg, bin ich froh, dass diese CD dank Elfenart Records (wo man es für läppische 10 Euro inkl. Porto bestellen kann) heute auf meinem Radar aufgetaucht ist. Und da bin ich dann doch froh, dass es dieses Amerika gibt, das den Rock'n'Roll hervorgebracht hat. Jeder, der nur das andere Amerika sehen will, kann sich gerne bei mir direkt beschweren. Der kriegt dann die Bassbox der Friedensinitiative von mir persönlich direkt auf den Kopf, macht nix, die war ja ohnehin schon im Eimer wegen dem Wind. Aus der Bassbox in meinem Zimmer, die zum Glück noch ganz ist, dringt jetzt HipHop, der kommt bekanntlich auch aus Amerika und hat sich als Modell des Sprechens über das, was Leute in allen Ecken der Welt bewegt, vielleicht noch mehr durchgesetzt als der Rock'n'Roll, vielleicht, weil er, wie die Wiener Rapperin Mieze Medusa sagt, "eine so stark codierte Kunstform ist", die mit Beats und Reimen ein Gerüst zur Verfügung stellt, um das sich wild wuchernde Ideen und scheue Gedanken, die sich alleine noch nicht so ganz aus dem Kopf heraustrauen, ranken können, um zur Sprache und so in die Gehirne anderer Menschen zu kommen. Dass Hiphop ursprünglich "schwarze Musik" sei, die nicht ohne Ghettocredibility funktioniert, ist dabei ein rassistischer Versuch, die Reichweite dieses Modells des Sprechens kleinzureden, das in Österreich genauso fruchtbar zu sein scheint wie in Afrika. (Was ich hier nicht weiter vertiefen will, aber wer es gut findet, dass die USA mit Colin Powell erstmals einen afroamerikanischen Außenminister haben, ist wahrscheinlich auch begeistert davon, dass die ehemalige Friedenspartei Die Grünen jetzt in Kriegszeiten den deutschen Außenminister stellen darf. Weil sie so viel dazugelernt hat, oder was?) Aber die Reichweite von HipHop ist groß, und mit seiner Sprachform gelingt es z.B. auch, die Resignation im "bürgerlichen Rückzug" des eigenen Kopfes zu sprengen, an einem Sonntagnachmittag in Wien, wo es Mieze Medusa auf ihrer ersten EP mit den DJs/Produzenten Tenderboy, Artifact und Faun binnen zwei Minuten schafft, von der Beobachtung der sonntagnachmittäglichen Langeweile von Familien auf Spielplätzen zu der Frage zu kommen, wie sich dasselbe Land anfühlt für jemanden, der von der Abschiebung bedroht ist, und was man dagegen tun kann. Da öffnet Poesie wirklich den Blick auf die Welt jenseits des Bauchnabels! "Hut ab vor jedem MC, der neben Witz auch Wut hat und sich ab und an auch für was stark macht", rappt sie in Tonabfall, einem der vier Tracks, die, mit unterkühlt housigen Keyboardflächen bis ziemlich jazzigen Klaviersounds unterlegt, insgesamt ziemlich triphoppig daherkommen. Die Schärfe und Eindringlichkeit der Texte stehen zum Sound in einem sehr spannenden Kontrast, denn hier wird deutlich: ohne diese Texte und ihren Vortrag wäre die Platte angenehm (DJ-freundlicherweise ist jeder Track auch in einer Instrumentalversion vertreten, denn: "Ich habe Platten gedreht, du Daumen"), aber durch das von den Texten transportierte Moment des Widerstands gegen die Hässlichkeit des Bestehenden wird diese kunstvolle Platte: schön. "Dieser Basslauf ist erwachsen geworden" und "sagt, was Sache ist: dass Heldentum nicht besticht". Zwischenruf des Tagebuchs: Also, worum geht es dir jetzt, du Selbstmitleidspaket? Um Schönheit oder um den Weltfrieden? Du dummes Tagebuch, was konstruierst du hier für falsche Widersprüche? Der Weltfrieden ist doch das Schönste, was es gibt, und bis er hergestellt ist, muss die Fahne der Schönheit eben mit allen, ich wiederhole, allen verfügbaren Mitteln hochgehalten werden. "In such ugly times, the true protest is beauty", wusste schon Phil Ochs, und der ist für diese Erkenntnis buchstäblich gestorben. Sehr lebendig ist hingegen Mars Galliculus, dessen neues Album ypsdschungelabenteuer gewissermaßen eine Art Quersumme der musikalischen Herangehensweisen zieht, von denen gerade die Rede war: Über vertrackten Breakbeats und psychedelischen bis pseudo-industrial klingenden Soundflächen werden O-Töne frech quer durchs Gemüsebeet gesampelt, was mehr über die Absurditäten des Medienzeitalters aussagt als die Texte vieler Bands (gemäß dem von Braying Boredom formulierten Punk-Credo: "zynisch bleiben um zu überleben"), und in dem Track Installation Nr. 6 durch die clevere Collage zu einer Art Feature zum Stichwort "Globalisierung" wird, das vielleicht sogar einen neuen Weg aufzeigt, wie sich Politik und Popmusik so verbinden lassen, dass keiner der beien Aspekte darunter leiden muss. Dass das Album, das auf so basisdemokratische Weise mit den Worten von anderen in Dialog tritt, als Download vertrieben wird und nicht im kapitalistischen Zwischenhandel ;-), ist da nur konsequent. Wer bis hierhin durchgehalten hat beim Lesen, obwohl es sich ja nur um einen Tagebucheintrag handelt, sei mit einem Buchtipp belohnt. Denn während ich von Lester Bangs und Roland Barthes gelernt habe, dass eine Plattenkritik (oder jede Art von Text über Kunst) umso besser ist, je deutlicher unter der Oberfläche der Seite (lies_ des Bildschrims) die Adern von Herzblut hervortreten, sprich, die Resonanz spürbar wird, die eine Platte im Leben eines Menschen hinterlassen hat, während ich gelernt habe, dass das keine subjektivistische Nabelschau ist, sondern eine besonders glaubwürdige Art, über Kunst zu schreiben, weil Kunst ihre Wirkung immer (zuerst) in einzelnen subjektiven Köpfen hinterlässt, während ich das also weiß, aber nicht besser umsetzen kann als in diesem peinlichen, erfundenen Tagebucheintrag (der aber im Hinblick auf die Tatsache, dass die beschriebene Musik meinen Nachmittag gerettet hat, absolut wahrheitsgemäß ist), währenddessen gibt es einen Autor, der die Verknüpfung von Kunst- (d.h. Literatur- und ganz stark auch Popmusik-) Kritik und Widerborstigkeit gegen die uns servierte Politik und den dazugehörigen Alltag immer mehr perfektioniert hat. Weshalb sein neues Buch Sterne und Straßen im Untertitel "Feuilletons" heißt, aber die Grenze zwischen Rezension, Essay und Erzählung einfach lässig auflöst. Dieser Autor ist Franz Dobler , und obwohl er bestimmt auch Sympathien für Peter Heins Zeilen "Wir trugen unser ganzes Geld in die Plattenläden / Das war schließlich die einzige Chance, sich gegen die ganze Scheiße zu wehren" hegen könnte, ist es in seinem Fall durchaus empfehlenswert, noch 12 Euro für den Buchladen abzuzweigen. Braying Boredom: Aufziehvogel (CD, UTH Records 006 / Elfenart Records). Zu bestellen für 10,- Euro inkl. Porto bei Elfenart Records . Mieze Medusa & Tenderboy: basslast alltag meets the unfunk side of hiphop - EP (EP, ! Records 001 / Goalgetter Distribution) Mars Galliculus: ypsdschungelabenteuer (Download-Album, Überfall Records ) Franz Dobler: Sterne und Straßen. Feuilletons. (Paperback, Edition Tiamat , 12,- Euro)

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Tanzende Kadaver -Die Frage ist egal...Die Antwort ist schockierend

Rezension von http://www.tonguesofdestruction.net

FINALLY, this record is in my hands. YES! One of the band which are really creative, not the normal standard of punkrock but lyrics which contains horror and splatter as well as personal stuff like I can see now. TANZENDE KADAVER rocking like hell since I now them and they continue with this process which isn´t very surprising to me. I really like that attitude and if a band know how to rock and do it the whole life. This record also include catchy melodies compared with rock parts and surprisingly soft parts/ accoustic parts, which isn´t bad. This will be one of the most listened record in my rooms. Damn hot.

Rezension aus dem Underdog Fanzine/Wildeshausen

5 Jahre nach dem Debüt spielen Nico Lichtsinn, Schizo Schalach und Wolf Kadaver Ihre Horrorpunkrockversion von der Mär der schaurigen Welt. Die Braunschweiger Zombies spielen 22 Lieder in knapp 74 Minuten und lassen uns an ihrem makaberen Vergnügen teilhaben. Der Kellersound wirkt authentisch wie der Modergeruch, der mir beim Hören in die Nase steigt. Der beste und ideale Zeitpunkt zum Anhören dieser CD ist kurz vorm nächtlichen Ausflug auf den Friedhof, wo sich bestimmt ein paar Opfer finden, an denen man sich laben kann. Schließlich gibt es genug schwarzgekleidete VollmondanbeterInnen die sich mit dem Pakt der Selbstmordliebe vereinen wollen. "Ich hab Dich vergiftet, auf die Streckbank gespannt, ich hab Dich geköpft, dir nen Pfahl ins Herz gerammt, hab Dich lebendig begraben (...) trotzdem muss ich Dir noch sagen, ich will Dich zurück haben (Kein Liebeslied). Für 8 Euro + Porto tanzt die Kadaver-CD auch in Deine Gruft.

Besprechung im Plastic Bomb von Swen

Manche CD hats wirklich schwer bei uns. Die erste CD kommt gar nicht erst an und die zweite muss schon ewig unter dem Stapel unerledigter Zettel verstaubt sein. Aber das sollte den MISFITS-Punkern aus Braunschweig egal sein, denn die Ewigkeit ist ja eines ihrer Hauptthemen. Und das kriegen sie ganz schön fein hin. Es gelingt ihnen ein aberwitziger Mischmasch aus BLUTJUNGS, SUPERNICHTS und SPOOK. Das ist für den einen oder anderen Brüller gut. Wirklich nicht schlecht, Herr Specht. Da sind wirklich einige Perlen gestreut. Insgesamt 22 Lieder über 74 Minuten sind sicher des Guten einiges zuviel. Die Hälfte hätte es auch getan...dann wäre das wirklich ein komplettes Hitalbum. Allein der Anrufbeantworter der neuen Exfreundin rockt gewaltig. "Punkrocker" kann auch ziemlich viel. Yeah, das ist wirklich eine lustige CD.

Rezension von www.pegasus-city.de

Die Tanzenden Kadaver sind eine deutschsprachige Horror-Punk Band aus Braunschweig und haben mit "Die Frage ist egal" nach fünf Jahren Sendepause hier ein neues Werk vorgelegt. So klingt denn das Album weniger wie ein herkömmliches Studioalbum, sondern eher nach einer Compilation der letzten fünf Kadaver Jahre - und die macht definitiv Spass. Musikalisch und Gesanglich sind die Kadaver weniger mit den Kollegen von den Misfits oder gar Der Fluch Zu vergleichen sondern eher vielleicht mit Gruppen wie Wizo oder sogar ...But alive Und das ist im Falle der Kadaver nicht das schlechteste. Neben schnellem melodischem Punk enthält die CD aber auch einige böse Synthie dominierte Depro-Punk "Ausrutscher", die hin und wieder ein bisschen an Fliehende Stürme und alte Killing Joke erinnern. Und textlich gibt es neben Splatterfilm mässigen Vampir, Zombie, Selbstmord und Massenmörder Fantasien auch Texte über "Alltagshorror" wie Schnorrerpunks oder Ex-Freundinnen. Eine sehr Sympathische und auch abwechslungsreiche Band mit einer klasse Platte die auch nach mehrmaligem hören - trotz oder gerade wegen der teilweise sehr bösartigen Texte - nicht langweilig wird.
Christian Haas

Rezension von www.gebrauchtemusik.de

Obwohl einige elektronische Tracks auf diesem zweiten Album der Braunschweiger Band auch in Gothic-Kreisen ihre Freunde finden könnten, sind die Tanzenden Kadaver keine Gruftis, sondern "Horror-Punkrocker". Was das bedeutet? In musikalischer Hinsicht durchweg sehr melodischen, schnell und präzise gespielten und gediegen aufgenommenen "Emo"-Punk mit schönen Harmony-Vocals. Textlich steht es für das Spiel mit Horrorfilm-Versatzstücken (Vampire, Zombies, Menschenfresser), die in ihren schlechtesten Momenten an die angestaubte Pseudo-Schock-Ästhetik der Ärzte erinnern. Ihre Highlights hat diese Methode aber, wenn die Horrorszenen, wie in jedem guten Splatterfilm, verwendet werden, um den schlechten Alltag anzugreifen - das unbestreitbare Meisterwerk ist hier Zombies in der Lindenstraße, in dem Egon Kling als Untoter zurückkehrt und allen Lindenstraßenbewohnern den Garaus macht: "Massaker in der ARD" als eingängiger Refrain! Von großartiger, schon fast an die goldenen Zeiten von FleischLEGO erinnernder, grotesker Albernheit sind auch folgende Zeilen: "Allzulange stand er nutzlos in der Gegend rum / ich dachte mir er nimmt es mir bestimmt nicht krumm / wenn ich ihm etwas Strom durch seine Venen jage / und ihm dann ein paar seiner eigenen Songs vortrage". Um wen es geht, sagt der Songtitel: John Lennon lebt wieder. Wie so oft bei Platten, die mit Konzepten überfrachtet sind, sind auch hier die besten Songs solche, die man nicht dem Horror-Punkrock zurechnen kann, weil sie sich mit den alltäglichen "Emo"-Themen befassen. Neben ein paar traurigen Liebesliedern findet sich das schon an die Klasse von ...But Alive heranreichende Die Nachteile, das auf hochelegante Weise eine bestimmte Lebenssituation beschreibt, ohne sie mit zu vielen Details auszuschmücken. Dadurch bekommt der Song eine Allgemeingütigkeit, die der Phantasie des Zuhörers alle Möglichkeiten offenhält, das Stück auf die eigene Realität zu beziehen. Der genialste Moment der Platte ist aber die Stelle, in der der punkerverachtende Ich-Erzähler des Songs Punkrocker viermal hintereinander immer hysterischer brüllt "Ich bin vorurteilsfrei" und der Chor echot "100% pc" - diese eineinhalb Sekunden bringen auf erschreckendste Weise auf den Punkt, was man sich unter dem "pathologisch guten Gewissen" einer Gesellschaft vorstellen muss, die sich selbst für das Maß aller Dinge hält und sind politisch brisanter als ein Zentner "Scheiß Bullen"-Songs. Alles in allem eine schön aufgemachte CD, die manchmal etwas durchwachsen, aber nie schlecht ist - und vor allem wesentlich abwechslungsreicher als die meisten Deutschpunk-Scheiben. Hoffen wir, dass Elfenarts Einstieg in semiprofessionelle Gefilde denn auch den Erfolg hat, den man dem Album zutrauen kann. Schließlich kann sich auch jeder Ärzte-Fan hieran erfreuen... (ist ausnahmsweise nicht als Mainstream-Schelte gemeint!)



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Gerald Fiebig - Tracks & blauer Dunst

Rezension aus Ratriot # 9

Bis auf "Stellenbeschreibung" sind alle hier gelesenen Gedichte bisher unveröffentlicht, und Rhythmus liegt Fiebig im Blut. Seine Schachtelsätze der Stadtidiotien wollen verstören, Fiebigs Blick auf die Wirklichkeit ist hart an der Schmerzgrenze, sarkastisch, böse. Allerdings: um mit Fiebig zu sprechen, "was bedeutet dieser Dreck schon?"


Rezension aus KULT # 15/02

Bisher eher Punkrock-Label, riskiert Elfenart Records eine Spoken Word CD mit dem Lyriker Gerald Fiebig (Jg. 1973), ehemals Redakteur der Zeitschrift ZEITRISS. Er bezeichnet die Schreibschrift als "Leichensprache" & bekennt sich wohl daher zur "Schreischrift". Da gibt es hinterfotzige ruhige Passagen & fetzige Wortschmettereien, hemmungslos assoziativ - respektlos ist er als "Geschmacksverderber" unterwegs, wenn er mit "sevenup/abserviert". Sehr interessant wirds natürlich, wenn Fiebig rhytmisch wird, wenn er der Sprache den Klang abgewinnt. Höchst dramatisch der musikantische letzte Track "Nuclear Family fails to explode". Insgesamt sollte der Autor noch mehr Abwechslung riskieren.


Rezension aus My Choice Nr. 9 von Jerk Götterwind

Ne Lesung hat der Gerald aufgenommen. Worte die durch blauen Dunst dringen, das zuhören angenehm machen, nicht immer, manchmal nervt die Stimme, meistens aber nicht, dann ist das zuhören angenehm. Die Texte gefallen mir teilweise sehr gut, aber so was wie "Wein Brand" finde ich nicht so prickelnd, weil´s auch komisch gelesen ist. Insgesamt sage ich mal, dass das selber lesen doch angenehmer ist, als das zuhören, aber für 5 Euro kann mensch auch nicht viel falsch machen.


Rezension aus SUBH Nr. 37 von Andreas Reiffer

Sehr wortverliebt kommt die auf CD-R gebannte Literatur von Gerald Fiebig durch die Boxen. Ich brauche mindestens eine Viertelstunde um mich an den Stil auf "tracks & blauer Dunst" zu gewöhnen. Zwar hat Fiebig unbestritten einige Erfahrung als Slammer und Wortartist, doch leichte Kost mit dem Ziel schnelle Lacher und das Preisgeld zu kassieren, kann und will er nicht präsentieren. Die Texte sind lyrische Essays; Philosophie und Innerlichkeit, mit witzigen aber meist unaufdringlichen Wortspielen gepaart. Lebendig werden solche Texte erst durch den gekonnten Vortrag und durch musikalische Einsprengsel, seien sie auch noch so elektronisch. Doch zum Glück herrschen die leisen Töne vor.